Oberschenkel

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Das knöcherne Skelett des Beines wird aus dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Schienbein (Tibia) und dem Wadenbein (Fibula) gebildet. Schien- und Wadenbein bilden zusammen mit dem Oberschenkelknochen das Kniegelenk, dem die Kniescheibe aufliegt und zusammen mit dem Sprungbein (Talus, erster Fußwurzelknochen), das obere Sprunggelenk. Hierbei bilden die Unterschenkelknochen eine Gabel, die das Sprungbein umfasst.

Die komplexe Anordnung der Muskulatur und Bänder entlang des ganzen Beines, ist ein Ausdruck der hohen Anforderungen, die an das Bein zur Bewältigung des koordinierten Bewegungsablaufs „Gehen“ gestellt werden. Verletzungen des Beines sind daher oftmals schwer und beeinträchtigen den Verletzten stark, die Bewegungsmöglichkeiten sind, meist vorübergehend, erheblich eingeschränkt.

Hüftnahe Brüche

Hüftnahe Brüche sind üblicherweise Verletzungen des Alters oder Folgen von grober Gewalt.

Schenkelhalsbrüche (hüftkopfnah):Eine nichtoperative Therapie kann nur in sehr seltenen Fällen empfohlen werden, hierzu muss der Bruch in einer bestimmten Weise eingestaucht sein. Zumeist ist eine operative Therapie notwendig.

Bei jüngeren Verletzten erfolgt die Versorgung nach Möglichkeit unter Erhalt des Hüftkopfes. Hierzu wird der eingerichtete Bruch mit Schrauben versorgt. Eine Belastung ist für 6 Wochen nicht erlaubt. Aufgrund der Durchblutungssituation am Hüftkopf besteht bei dieser Verletzung immer die Gefahr, dass es zu einem Nichtheilen des Bruches bzw. Absterben des Hüftkopfes kommt. In solchen Fällen muss der Verletzte eine Totalendoprothese erhalten, d.h. Hüftkopf und Hüftpfanne werden ersetzt.

Üblicherweise erhalten ältere Verletzte direkt einen Hüftkopfersatz, mit dem sie sofort wieder voll belasten können.

Schenkelhalsbrüche (hüftkopffern), per- und subtrochantäre Brüche: Diese Brüche sind operativ zu behandeln, eine konservative Therapie ist allenfalls seltensten Ausnahmefällen vorbehalten. In Abhängigkeit der genauen Bruchform führen wir im Wesentlichen zwei Operationsmethoden durch. Es kommt entweder ein Spezialnagel, oder eine spezielle Platte (DHS) zum Einsatz.
Nach der Operation kann der Patient zumeist das operierte Bein sofort (Teil-)belasten. Für den jüngeren Patienten empfehlen wir die Materialentfernung nicht vor einem Jahr nach der Operation, bei älteren Patienten kann es dauerhaft verbleiben.

Schaftbrüche

Auch Schaftbrüche entstehen durch grobe Gewalt, z.B. infolge eines Verkehrsunfalls. Oft kommt es zu erheblichen Blutverlusten in das Oberschenkelweichteilgewebe aus dem Knochen.

Es wird eine zügige Operation nach Diagnosestellung angestrebt. Zumeist erhält der Verletzte einen Nagel, der über den Markraum des Knochens eingebracht wird. So wird der Knochen von innen stabilisiert. In seltenen Fälle, z.B. bei schweren Gewebsverletzungen, kann aber auch die Versorgung durch einem äußeren Festhalter (Fixateur externe) vorgenommen werden. Der nachfolgende Belastungsaufbau im Rahmen der Krankengymnastik wird individuell mitgeteilt. In Abhängigkeit der Lage und Versorgung des Bruches kann die knöcherne Heilung bis zu 3 Monate dauern. Eine Materialentfernung kann nach 1-1,5 Jahren erfolgen.

Knienahe Brüche (kondyläre Frakturen)

Auch Brüche dieser Lokalisation werden nahezu immer operativ versorgt. Ziel der Operation ist es, die genaue Wiederherstellung der Beinachsen, und -da wo eine Kniegelenkbeteiligung vorliegt- eine exakte Rekonstruktion der gelenkbildenden Anteile vorzunehmen. Hierzu verfügen wir über ein großes Spektrum an Fixierungssystemen inklusive (winkelstabiler) Platten, (Feingewinde-)Schrauben, Nägeln, Drähten, die manchmal auch mit Hilfe einer Gelenkspiegelung eingebracht werden.

Je nach Lokalisation und Versorgungsart des Bruches kann hier eine Entlastung des Beines von bis zu 12 Wochen notwendig sein. Eine Materialentfernung empfehlen wir selten früher als ein Jahr nach der Operation durchzuführen.
 

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